Die verschollene Karawane von Rolf Ackermann

 

Die verschollene Karawane, Mystery-Thriller

Knaur TB, Januar 2010

432 Seiten, Taschenbuch

ISBN 978-3-426-63721-0

8,95 €


 

In den (Wüsten-)Sand gesetzt …

 

Eine Landkarte aus dem 15. Jahrhundert, in der die Route einer in der Sahara verschwundenen Karawane eingetragen ist, weckt die Fantasie des Afrikakenners und Landkartensammlers Peter Föllmer.

Föllmers Neugier wird beflügelt, als er feststellen muss, dass der Mann, von dem er die Karte erhalten hat, ein Freund und ehemaliger Ordensbruder, ermordet wurde.

Fragen türmen sich auf. Wer ist bereit, für eine historische Karte zu morden? Was für ein Geheimnis verbirgt sich hinter der mysteriösen Karawane, die in jener längst vergangenen Zeit ihr Ziel niemals erreicht hat? Welche Schätze führte die Karawane mit sich und in welcher Weise hatte der Vatikan damals seine Finger im Spiel – einem Spiel um geistliche und weltliche Vorherrschaft, ausgetragen im Reich des sagenumwobenen äthiopischen Christenkönigs Johannes?

 

Bei all diesen Fragen scheint Spannung garantiert und angesichts eines verlockenden Buchcovers, eines vielversprechenden Buchtitels und eines animierenden Klappentextes freut man sich auf fast vierhundertfünfzig Seiten Lesespaß und ist nur zu gern bereit, sich in die geheimnisvollen Wüsten Afrikas entführen zu lassen.

Leider merkt man schon nach den ersten Kapiteln, dass man mit dem Buch „Die verschollene Karawane“ eine Mogelpackung in Händen hält. Mag der Plot auch noch so vielversprechend sein, kommt die Handlung nicht über das Niveau eines drittklassigen Hollywoodschinkens hinaus.

Eine bildschöne, junge Äthiopierin mit Ängsten, einem unbewältigten Trauma und den traditionellen Werten ihres Volkes verhaftet, bildet zusammen mit dem grundehrlichen, anständigen, abenteuerlustigen Kartensammler Völlmer und einem als Gegenspieler fungierenden undurchsichtigen Ägypter, Angehöriger einer gefährlichen islamischen Bruderschaft und sehr böse, das magische Dreieck, das die Handlung vorantreiben soll.

Leider bleiben die Charaktere der Hauptfiguren blutleer und bedienen billige Klischees. Schwarz steht neben weiß, Gut ist nur gut und Böse nur böse. Grautöne erkennt man nicht. Die Figuren passen perfekt in ihre Schablonen, haben keine Widersprüche, keine Ecken und Kanten. Und wenn doch mal eine Unebenheit in einer Vita auftaucht, so ist der Autor schnell mit plausiblen Erklärungen zur Hand und beraubt seine Protagonisten jeglicher Geheimnisse und erstickt die Zweifel des Lesers im Keim. So kann keine Identifikation stattfinden! Die Distanz zur Handlung bleibt auf unangenehme Weise gewahrt. Die Magie eines guten Buches, das den Leser in sich aufsaugt, fehlt völlig.

Auch Handlungsabschnitte, die für einen Moment Spannung heraufbeschwören, wenn etwa ein Sandsturm die Protagonisten in lebensbedrohende Situationen bringt, münden nicht in Überraschungen sondern stets im Vorhersehbaren. Dadurch flacht die Spannungskurve von Mal zu Mal weiter ab, bis überhaupt kein Ausschlag mehr zu erkennen ist.

Bedauerlicherweise gelingt es dem Autor auch nicht, über seinen Schreibstil zu punkten. Umständlich im Satzbau und bemüht, dem Leser die Geheimnisse Afrikas und besonders die seiner Wüsten zu entschlüsseln, verliert er sich in überflüssigen Erklärungen.

Wenn das Buch schließlich in einem Friede-Freude-Eierkuchen-Happy-End mündet, so ist das nur konsequent und lässt den Leser mit einem bitteren Nachgeschmack zurück. Bleibt einzig die zweifelhafte Freude, sich bis zur letzten Seite durch ein wenig lesenswertes Buch gebissen zu haben.

Eine Frage an das Lektorat sei zum Schluss erlaubt:

Kann es sein, dass der Lektor/die Lektorin ebenfalls keine Freude an dem Buch gehabt hat und sich der leidigen Arbeit mit dem Manuskript schnell entledigen wollte? Die auffällig vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler lassen es beinahe vermuten.

 

Fazit: Wer einen guten (Mystery-)Thriller lesen möchte, der einem schlaflose Nächte beschert, sollte um „Die verschollene Karawane“ einen großen Bogen machen. Es gibt Besseres!

 

Roland Lange, 31. Mai 2010