Die Wundärztin von Heidi Rehn

 

Die Wundärztin, historischer Roman

Knaur TB, April 2010

688 Seiten, Taschenbuch

ISBN 978-3-426-50537-3

8,95 €


 

Eine verbotene Liebe in Zeiten des Krieges

 

Deutschland zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Das ist der Rahmen für Heidi Rehns Roman „Die Wundärztin“.

Mai 1631

Magdeburg steht in Flammen. Der Kaufmannssohn Eric rettet die sechsjährige Söldnertochter Magdalena aus dem Inferno. Im Gegensatz zu Magdalena, die Eric ihre Sympathie entgegenbringt, wird der Junge von ihrem Vater mit Ablehnung gestraft. Eine lange währende Feindschaft der Väter ist dafür der Grund.

Freiburg im Breisgau 1644

Die 19-jährige Magdalena arbeitet als Wundärztin im kaiserlichen Tross. Wieder wird Eric ihr Retter, als sie Dank seiner Hilfe nur knapp den französischen Truppen entgeht. Magdalena beginnt mit Eric ein heimliches Verhältnis und wird schwanger.

Eines Nachts verschwindet Eric nach einem Gefecht. Über zwei Jahre muss sich Magdalena im Tross der Kaiserlichen allein durchschlagen. Sie muss sich der Intrigen ihrer Cousine Elsbeth ebenso erwehren, wie den Annäherungsversuchen ihres undurchsichtigen Feldscher-Kollegen Rupprecht. Darüber hinaus hat sie ihrem sterbenden Vater ihr Wort geben müssen, sich von Eric fernzuhalten. Doch die Liebe zum Vater ihres Kindes ist stärker und sie sucht unablässig nach ihm. Mut und Trost gibt ihr ein Bernsteinanhänger, den sie von Eric geschenkt bekommen hat und der sie vor Unglück bewahren soll.

Als Eric eines Tages wieder im Tross auftaucht, ist er schwer verwundet und wird zudem als Mörder beschuldigt. Ihm droht der Tod am Galgen. Magdalena möchte an Erics Unschuld glauben, wird aber zunehmend von Zweifeln befallen. Dennoch tut sie alles dafür, Eric vor dem Galgen zu retten und ihm zur Flucht zu verhelfen. Tatsächlich ist Eric eines Morgens aus seinem Versteck geflohen. Aber nicht nur er, auch Elsbeth und Magdalenas Tochter sind verschwunden, während sie, Magdalena, zusammen mit Rupprecht in schwedische Gefangenschaft gerät.

Dank eines schwedischen Hauptmannes gelingt es Magdalena, erneut eine Spur zu Eric zu finden und es nähert sich der Tag, an dem sie wieder mit Eric zusammentreffen wird – ein Tag, dem sie mit großen Zweifeln entgegensieht …

 

Heidi Rehns Verdienst ist es sicherlich, dass sie mit dem Roman „Die Wundärztin“ ein Werk geschaffen hat, das den Dreißigjährigen Krieg in seiner ganzen „Normalität“ darstellt.

Für viele Menschen war der Krieg ihr Alltag, sie kannten nichts anderes, als Tod und Verwüstung und das ständige Kämpfen ums Überleben. Der Autorin gelingt es, die Kriegsgeschehen wie eine Kulisse wirken zu lassen, vor der sich die eigentliche Geschichte, die Liebesgeschichte zwischen Magdalena und Eric abspielt.

Auch wenn es sich um einen historischen Roman handelt, sollte niemand, der dieses Buch liest, tiefgreifende Einblicke in die politischen Verwicklungen oder gar in spezifische Kriegshandlungen erwarten. Ebenso bleibt die Beschreibung der Arbeiten der Feldscher, die Verwundete und Kranke im Tross zu versorgen hatten, an der Oberfläche. Einzig das beschwerliche Leben im Tross selbst wird ausführlich und intensiv beschrieben. Man bekommt eine Ahnung davon, wie hart der täglich Kampf gegen Wind und Wetter gewesen sein muss, man erlebt den Streit um knappe Nahrungsmittel, vernünftige Kleidung und spürt die Feuchtigkeit auf der Haut, wenn die Zeltplanen der Unterkünfte nach tagelangem Regen durchlässig werden. Das alles geschieht im ständigen Angesicht feindlicher Truppen und regelmäßiger Kampfhandlungen. Vor allen Dingen das Schicksal der Frauen im Tross wird von der Autorin immer wieder thematisiert. Oft waren sie für die Soldaten Freiwild, es sei denn, sie lebten in einigermaßen geordneten Verhältnissen im Schutz einer Familie oder sie waren, wie Magdalena in ihrer Funktion als Wundärztin, unantastbar.

 

Insgesamt ist Heidi Rehn mit „Die Wundärztin“ ein flüssig und zu lesender, leidlich spannender Liebesroman vor einer historisch interessanten Kulisse gelungen. Dennoch hätte das Buch ruhig zweihundert Seiten kürzer sein können.

 

Roland Lange, 1. August 2010