Schattengreifer, Band 1 + 2 von Stefan Gemmel


 

Band 1: Die Zeitensegler

Baumhaus-Verlag, März 2009

288 Seiten, Hardcover

ab 11 Jahre

ISBN 978-3-833-93704-0

14,90 €

 

 

 



 

Band 2: Der Zeitenherrscher

Baumhaus-Verlag, Februar 2010

288 Seiten, Hardcover

ab 11 Jahre

ISBN 978-3-833-93709-5

14,99 €


 

Gib auf deinen Schatten acht!

 

Alles beginnt damit, dass Simon merkwürdige, Angst machende Träume hat: Ein uraltes Schiff, Fackeln an den Masten, Krähenschnäbel, eine bleiche, klauenartige Hand …

Doch als Simon, der mit seinen Eltern am Meer wohnt, aufwacht und aus dem Fenster schaut, sieht er, dass seine Träume Wirklichkeit geworden sind. Das Schiff liegt nicht weit entfernt vor Anker, Feuerschein leuchtet aus den Mastkörben zu ihm herüber. Magisch angezogen von dem mysteriösen Segler kann Simon nicht anders, als hinauszurudern und an Bord zu gehen.

Ein paar seltsam anmutende Jugendliche scheinen die ganze Besatzung des Schiffes zu sein, abgesehen von einigen Krähen, die die Mastkörbe bevölkern. Schnell wird Simon klar, dass es sich bei der Besatzung um Jugendliche handelt, die aus verschiedenen Zeitepochen stammen. Das Mädchen aus dem alten Ägypten, der Indianer, der Karthager oder der Junge aus der mittelalterlichen, pestverseuchten Stadt – sie alle befinden sich an Bord in der Gewalt des Schiffseigners, dem Schattengreifer! Und keiner von ihnen wird das Schiff, den Seelensammler, je wieder verlassen. Sie alle sind Teil eines großen Planes, den der Schattengreifer, dieses bleiche, menschenähnliche Wesen, verfolgt.

Und noch etwas wird Simon klar. Jedem der Jugendlichen auf dem Seelensammler fehlt sein Schatten! Der wurde ihnen vom Schattengreifer genommen, als der sie, einen nach dem anderen, aus einer Situation höchster Not rettete und sie ihrem Zuhause und ihren Eltern entriss.

Nur Simon, der freiwillig auf den Seelensammler gekommen ist, hat seinen Schatten behalten. Ihm ist es auch bestimmt, die jungen Schattenkrieger kraft seiner Zuneigung und seines Mitgefühls mit jedem Einzelnen zurück in ihre jeweilige Zeit zu bringen. Dort gelingt es ihm dann, sie zusammen mit ihren Angehörigen vor ihrem drohenden Schicksal zu bewahren.

So begeben sich Simon und seine schattenlosen Freunde mithilfe der an Bord befindlichen Zeitmaschine gegen den Willen des Schattengreifers auf Reisen in die unterschiedlichen Zeitepochen und erleben die Vernichtung Karthagos durch die Römer ebenso wie das Massaker am „Wounded Knee“, dem ein ganzes Indianerdorf zum Opfer fiel.

 

In den beiden ersten Büchern der Schattengreifer-Trilogie ist es Stefan Gemmel gelungen, Fantasy-Elemente und geschichtliche Fakten in einer höchst spannenden Story zu verbinden. Birgt schon der Seelensammler, das uralte Schiff mit seinem riesigen Krähenkopf als Bug, reichlich Schauderpotential, so wird das Grauen noch verstärkt, wenn der Schattengreifer in unregelmäßigen Abständen höchstpersönlich auf dem Seelensammler erscheint, um nach dem Rechten und seinen Sklaven zu sehen. Darüber hinaus wird der Leser Zeuge einiger unrühmlicher Abschnitte der Menschheitsgeschichte. So würde sich wohl jeder Schüler den Geschichtsunterricht gern gefallen lassen!

 

Wunderbar, wie Gemmel im Verlauf der Story die Figur des Simon entwickelt. Nach und nach gelingt es dem Jungen, das Geheimnis des Schattengreifers zu lüften. Als der jedoch von Simon  erwartet, gemeinsam mit ihm für sein großes Ziel zu kämpfen, widersetzt der Junge sich, denn er hat begriffen, dass das Ziel, das der Schattengreifer verfolgt, nur auf den ersten Blick Gutes verspricht.

Gemmel schafft es, an jugendliche und erwachsene Leser gleichermaßen zu appellieren, ihren Verstand zu gebrauchen und verlockenden Angeboten kritisch gegenüber zu stehen, besonders, wenn sie nicht weniger, als den Weltfrieden versprechen. Er tut dies eindringlich und unaufdringlich zugleich. Und genau das macht die Schattengreifer-Bücher, neben dem spannend vermittelten Geschichtsunterricht, so wertvoll.

Fazit:

Die Schattengreifer-Bücher fesseln dank eines hohen Spannungspotenzials, durch die flüssige Sprache erhält die Handlung noch zusätzliche Dynamik.  Und wenn es noch einer Antwort auf die Frage bedarf, wie man Menschen, jungen wie alten, Begriffe wie Freundschaft, Mitgefühl und Zivilcourage näher bringen kann, dann hat Stefan Gemmel sie mit seinen beiden Büchern auf eindrucksvolle Weise gegeben. Bleibt zu hoffen, dass auch der dritte Band der Trilogie möglichst bald erscheint.

 

Roland Lange, 23. August 2010