Korona von Thomas Thiemeyer

 

Korona, Mysterythriller

Knaur HC, Oktober 2010

512 Seiten, Hardcover mit SU

ISBN 978-3-426-66291-5

16,99 €


 

Korona – wenn Wirklichkeit und Fiktion miteinander verschmelzen

 

Im Grenzgebiet zwischen Uganda, Ruanda und der demokratischen Republik Kongo, also im Herzen von Afrika, liegen die Virunga-Vulkane, ein Nationalpark und die Heimat der vom Aussterben bedrohten afrikanischen Berggorillas.

In diesem Nationalpark arbeitet die Verhaltensforscherin Amy Walker. Alles könnte in Ordnung sein, wäre nicht Burke, ihr Teamleiter, mit einigen Leuten aus dem Team vor Tagen spurlos verschwunden und wäre da nicht Ray Cox, der gerade entlassene Strafgefangene, den Amy auf Anordnung ihres Mentor gegen ihren Willen ins Team aufnehmen muss. Von Anfang an wird sie den Verdacht  nicht los, dass Ray nicht nur im Dienste der Wissenschaft vor Ort ist, sondern möglicherweise andere, persönliche Ziele verfolgt.

Und dann spielt auch noch das Wetter verrückt. Anhaltende, starke Regenfälle und Gewitter in bisher nicht gekannter Intensität toben über dem zentralafrikanischen Ruwenzori-Gebirge, in das sich Amy mit Ray Cox und weiteren Mitgliedern ihres Teams gegen alle Vernunft aufmacht, um den verschollenen Teamleiter Burke und dessen Leute zu suchen.

Was dann, nach einer Begegnung mit der Schamanin der Bugonde, einem uralten, zurückgezogen lebenden Stamm, passiert, lässt Amy und ihre Leute an ihrem Verstand zweifeln. In der Theorie bekannte Phänomene, ausgelöst durch extrem starke Sonnenaktivität, werden plötzlich Realität an einem Ort, der aufgrund seiner Beschaffenheit wie ein Tor in eine andere Dimension wirkt. Und Amy, Ray und die anderen aus der Gruppe sind mittendrin im Geschehen und sehen sich plötzlich tödlichen Gefahren ausgesetzt …

 

Korona, so heißt der neue Mysterythriller von Thomas Thiemeyer, abgeleitet von dem Strahlenkranz der Sonne. Und wie es bei Thiemeyer schon beinahe Tradition ist, muss man sich in seine Bücher nicht erst hineinlesen, sondern man wird vom ersten Satz an regelrecht in das Geschehen hineingezogen.

Es fällt schwer, sich diesem Sog zu entziehen – wenn man es denn überhaupt wollte! Ich wollte es nicht, denn Thiemeyer versteht es auch in Korona auf faszinierende Weise, eine Spannung aufzubauen, die einen fesselt und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt.

Das liegt einerseits am schnörkellosen Schreibstil des Autors, der wenig Zeit darauf vergeudet, sich in ausschweifenden Beschreibungen zu ergehen oder etwa tiefenpsychologische Betrachtungen anzustellen. Sein Stil sind die knappen, klaren Sätze, immer hart an der Sache. Dadurch bekommt die Handlung einen ungeheure Intensität und Dynamik und man erlebt Abenteuer pur!

Das heißt nicht, dass nur Action angesagt ist – ganz im Gegenteil. Die handelnden Personen haben Raum, sich zu entwickeln, bekommen Tiefe und lassen Identifikation zu. Auch die Beschreibung der faszinierenden afrikanischen Landschaft und ihrer Tiere weckt umgehend Sehnsüchte und Solidarität mit den Menschen, die sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden knappen Mitteln gegen die Vernichtung eines der wenigen noch existierenden Naturparadiese auf dieser Erde stemmen.

Das eigentliche Verdienst Thiemeyers jedoch und das, was seine Bücher immer wieder auszeichnet, ist das fundierte Wissen, das seinen Geschichten zugrunde liegt. Nur die intensive Recherche macht es ihm möglich, die Grenzen zu verwischen und den Leser über den Moment im Unklaren zu lassen, wann bei ihm Fakten in Fiktion übergehen.

So ist man sich auch bei der Lektüre von „Korona“ nie ganz sicher, in welchem Gebiet des Thiemeyer‘schen Kosmos man sich gerade bewegt und ob man nicht später, wenn man das Buch beendet hat, vor der eigenen Haustür zufällig einem N’ekru über den Weg läuft.

Nur eins steht mal wieder felsenfest: Korona ist ein Abenteuerroman allererster Güte und hängt seinen Vorgängern in nichts nach. Auf dem Gebiet des Mysterythrillers ist und bleibt Thiemeyer eine Bank!

 

Roland Lange, 6. November 2010