Die Weltensucher-Chroniken von Thomas Thiemeyer



 

Die Stadt der Regenfresser, Abenteuerroman

Loewe Verlag, September 2009

447 Seiten, Hardcover

ISBN 978-3-785-56574-2

16,90 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Palast des Poseidon, Abenteuerroman

Loewe Verlag, Juni 2010

479 Seiten, Hardcover

ISBN 978-3-785-56576-6

17,90 Euro


 

 

 

 

 

Abenteuer in schwindelnden Höhen und in den Tiefen der Meere

 

Alles beginnt im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Der 16-jährige Oskar Wegener verdient sich seinen Lebensunterhalt als Taschendieb. Eines Tages beraubt er einen etwas unheimlichen wirkenden, dunkel gekleideten Fremden. Der Fremde bemerkt  den Diebstahl und folgt Oskar. Der kann den Mann nicht abschütteln, wird von ihm gestellt und mit einem merkwürdigen weißen Pulver betäubt.

Als Oskar erwacht, befindet er sich als Gefangener gefesselt im Haus des Fremden. Doch die erwartete Strafe bleibt aus. Stattdessen stellt sich der Fremde als Carl Friedrich Donhauser vor und behauptet, der Sohn des berühmten Forschers Alexander von Humboldt zu sein, weshalb er sich selbst ebenfalls „von Humboldt“ nennt.

Dieser Carl Friedrich von Humboldt entpuppt sich, wie sein vermeintlicher Vater, als Forscher, und versucht, Oskar als seinen Diener anzuwerben, damit er ihn auf eine geplante Expedition in die Anden begleiten kann. Nach einigem Zögern willigt Oskar schließlich ein. Zu sehr ist er gespannt auf das sagenumwobene Volk, das in Peru hoch über den Wolken an den steilen Berghängen der Anden wohnen soll und von dem es heißt, die Menschen dieses Volkes seien mächtige Zauberwesen, die, den Vögeln gleich, den Himmel beherrschen. Dieses Volk der „Regenfresser“ will von Humboldt finden.

So begibt sich schließlich eine bunt zusammengewürfelte Truppe auf die Reise, der neben Oskar auch die haitianische Zauberin Eliza, von Humboldts Nichte Charlotte, sowie Wilma, ein Kiwiweibchen, angehören. Auf ihrer gefährlichen Suche nach den „Regenfressern“ bekommen sie es nicht nur mit korrupten Beamten und hartnäckigen menschlichen Gegnern zu tun, sondern insbesondere die Ukhu Pacha, riesenhafte Insekten, stellen eine tödliche Gefahr dar, die es zu meistern gilt.

 

Zurück in Berlin, mit Erkenntnissen über technische Errungenschaften, die die Presse jubeln lassen, von Humboldt jedoch den Lehrstuhl an der ehrwürdigen Universität kosten, verdingt sich der Forscher an private Auftraggeber.

Ein solcher Auftraggeber, ein griechischer Reeder, bittet von Humboldt, nach einem vermeintlichen Seeungeheuer zu forschen, das im Meer vor der Inselgruppe Santorin immer wieder Schiffe mit sich in die Tiefe reißt.

Wieder macht sich in „Der Palast des Poseidon“ die bewährte Gruppe um den Forscher und seinen Diener Oskar auf, das Phänomen zu erforschen.  Sie chartern das modernste Forschungsschiff seiner Zeit, die Calypso, auf dem sich auch eine der aufregendsten Erfindungen der damaligen Zeit befindet: die erste Bathysphäre der Welt, eine Tauchkugel, mit der man sich mehrere Stunden unter Wasser aufhalten kann.

Ein Verfolger, der ihnen von Beginn ihrer Reise an auf den Fersen ist und ihren Auftrag zu vereiteln versucht, sabotiert den Tauchgang und die Suche nach dem Ungeheuer. Die  Bathysphäre kann nicht zurück an die Wasseroberfläche und wenig später wird die Calypso zum Opfer des vermeintlichen Seeungeheuers.

Alles scheint verloren, aber dann tut sich tief unten auf dem Meeresgrund eine Welt auf, die keiner der Verunglückten je erwartet hätte. Doch ihrer unerwarteten Rettung folgt schon wenig später die ernüchternde Gewissheit, dass es höchstwahrscheinlich keinen Weg zurück aus den Tiefen des Meeres geben wird …

 

Die Erwachsenen-Bücher von Thomas Thiemeyer gelten völlig zu Recht als fesselnde und sehr gut zu lesende Mystery-Thriller. Wenn der Autor nun, zusammengefasst unter der Überschrift „Die Weltensucher-Chroniken“ sein erstes und zweites Jugendbuch vorgelegt hat, so wünscht man sich, dass er die Qualität seiner Thriller auch in die Abenteuer-Romane „Die Stadt der Regenfresser“ und „Der Palast des Poseidon“  übertragen konnte.

Tatsächlich schafft es Thiemeyer auch in seinen Jugendbüchern, Fakten mit Fiktion zu überaus spannenden Geschichten zu vereinen, die den Titel „Abenteuerroman“ allemal verdienen. Man wird auch als Erwachsener nicht müde, die Forschergruppe in die entlegensten Winkel der Erde zu begleiten, spürt ebenfalls die Verfolger im Nacken, kann die Ängste in beinahe ausweglosen Situationen nachvollziehen und bewundert, wie Oskar, das Kampfgeschick, die Ruhe und die Eleganz des geheimnisvollen Forschers Carl Friedrich von Humboldt. Man schmunzelt amüsiert über die Begegnung Oskars mit einem seiner literarischen Helden, Jules Verne, und man glaubt beim Lesen zeitweise, es bei Thomas Thiemeyer mit dem legitimen Nachfolger eben jenes Jules Verne zu tun zu haben.

Der Leser wird in den Weltensucher-Chroniken nicht nur mit Abenteuern und historischem Wissen konfrontiert, sondern er erfährt auch etwas über kuriose Erfindungen, wie etwa das „Linguaphon“ und er lernt Romanfiguren kennen, die sich im Laufe der Geschichte(n) entwickeln, deren Charaktere an Konturen gewinnen und die einem mit ihren Stärken und Schwächen ans Herz wachsen.

Sowohl „Die Stadt der Regenfresser“ als auch „Der Palast des Poseidon“ werden nicht nur der Zielgruppe, den Jugendlichen ab 12 Jahre, großes Lesevergnügen bereiten. Auch etwas ältere „Jungs und Mädchen“, die den Spaß an spannender Abenteuerlektüre nicht verloren haben, werden von Thiemeyers „Weltensucher-Chroniken“ begeistert sein.

Nebenbei bemerkt – nicht nur der Inhalt der Bücher ist empfehlenswert. Sehen Sie sich mal die liebevoll gestalteten Cover der Bücher genau an. Auch hier hatte der Autor seine Finger im Spiel, indem er die filigranen Zeichnungen beisteuerte. Allein schon wegen ihres Äußeren möchte man die Weltensucher-Bücher nicht mehr aus der Hand legen.

 

Roland Lange, 9. Januar 2011