Die Hexenquelle von Corina C. Klengel

 

Die Hexenquelle, Harzkrimi

Leda Verlag, 2008

400 Seiten, Taschenbuch

ISBN 978-3-939-68912-6

9,90 €


 

Der Harz – noch immer gut für düstere Mystik

 

Ein steil abfallender Hang direkt an der schmalen, kurvenreichen Straße, ein zerstörtes Auto am Fuße des Hanges, zwei Leichen und ein Kommissar, der sich fragt, ob es sich bei dem tragischen Unglück tatsächlich um einen Unfall gehandelt hat – so beginnt Corina C. Klengels Harz-Krimi “Die Hexenquelle”.

Der vermeintliche Unfall und seine Begleitumstände stehen zunächst scheinbar ohne Zusammenhang zu den folgenden Kapiteln im Raum, denn auf den nächsten Seiten dreht sich alles um Sarah Leitner, die es auf der Flucht vor ihrem gewaltbereiten Ehemann mit ihrer kleinen Tochter in ein einsames Dorf im Harz verschlagen hat. Unter dem Vorwand, eine Fotoreportage über den Harz zu machen, hat sie in diesem Dorf ein Haus gemietet.

Verwundert muss Sarah feststellen, dass sie bei der Dorfbevölkerung auf Ablehnung stößt, die vor allen Dingen von einer Frau namens Freya geschürt wird. Diese Freya scheint eine Art Anführerin der Dorfbevölkerung zu sein. Allein der junge Pastor des Dorfes, das Mädchen Lena und dessen Mutter sind Sarah und ihrer Tochter wohlgesonnen.

Auf der Suche nach den Gründen für die Feindseligkeit der Dörfler kristallisiert sich für Sarah mehr und mehr heraus, dass die Menschen hier nicht nur dem alten, vorchristlichen Glauben der Kelten anhängen, sondern darüber hinaus ein dunkles Geheimnis hüten.

Mit dem Wissen ihres Geschichtsstudiums und dem Biss einer cleveren Journalistin macht sich Sarah zusammen mit dem Pastor auf die Suche nach den Hintergründen für das eigenartige Verhalten der Dorfbevölkerung und stößt dabei auf ein Büchlein aus der Zeit der Hexenverfolgung. Sarah begreift, dass das Dorf einst Schauplatz eines grausamen Hexenprozesses war.

Kann es sein, dass gegenwärtige Ereignisse, wie etwa der Tod von Lenas Schwester oder der Unfall auf der schmalen, kurvigen Straße, dem die Vorbesitzer von Sarahs Haus zum Opfer fielen, mit dem Hexenprozess und einem vermeintlichen Fluch zusammenhängen? Als Sarah trotz aller Drohungen diesen Fragen nachgeht, bringt sie nicht nur sich und ihre Tochter, sondern auch den Pastor in größte Gefahr. Als dann auch noch Sarahs Ex-Ehemann im Dorf auftaucht, drohen die Ereignisse zu eskalieren …

 

Glaubt man zu Anfang des Buches „Die Hexenquelle“ noch, einen herkömmlichen Krimi vor sich zu haben, so wird man schnell eines Besseren belehrt. Dabei hätte man es ahnen können, dass etwas anderes zwischen den Buchdeckeln lauert. Schon der Titel des Buches, wie auch der Klappentext deuten an, dass traditionelle Krimielemente rar gesät sein werden.

Vielmehr lässt Corina C. Klengels in ihrem Roman mysteriöse geschichtliche Ereignisse in eine spannende Gegenwartshandlung einfließen, die in Passagen durchaus auch dem Krimi-Genre gerecht wird. Die Geschichte, die die Autorin erzählt, ist eine Spurensuche, die weit in die Vergangenheit zurückreicht und neben Riten und Gebräuchen der Kelten insbesondere die mittelalterlichen Hexenprozesse im Visier hat. Einen dieser Hexenprozesse siedelt die Autorin in ihrem fiktiven Harzdorf „Silberborn“ an und verknüpft ihn über einen Fluch mit der Gegenwart. Es ist viel, bisweilen tödlicher Hokuspokus, der in dem Dorf getrieben wird und die Handlung des Buches vorantreibt. Spannung und Herzklopfen sind dadurch garantiert und man bleibt als Leser gern bei der Stange.

Dennoch – es gibt aus Lesersicht auch einen Kritikpunkt: Mag es einen gewissen Reiz haben, den Inhalt des mittelalterlichen Tagebuches in altdeutscher Schrift zu drucken, so hindert diese ungewohnte Typografie den Lesefluss doch sehr. Es hätte ausgereicht, diese Passagen kursiv zu setzen. Der Spannung hätte das keinen Abbruch getan.

Etwas heikel erscheint mir zudem das Bild, das die Autorin mit ihrer Story vom Harz zeichnet. Auch wenn sie sich bemüht, den Harz im Verlauf der Handlung als modern und weltoffen darzustellen, so geschieht das eher beiläufig. Stattdessen trifft man an allen Ecken und Enden auf die Relikte aus grauer Vorzeit. Das Rückständige, Hinterwäldlerische des Dorfes Silberborn dominiert in einer Art und Weise, dass viele Leser sich in ihrem klischeehaften Denken über den Harz bestätigt fühlen werden.

Was für die Story und die Spannung des Buches sicher gut ist, verärgert vielleicht manchen Harzer Einwohner, der sich wünscht, die Außenwelt möge seine Heimat als fortschrittliche Urlaubsregion sehen und nicht nur über das rückwärtsgewandte und zum Teil düstere Hexen-Image definieren.

Nun kann man dagegenhalten, dass es sich bei den Schilderungen ja um historisch belegte Informationen, z. B. zum keltischen Glauben, handelt, die nur die Geschichte des Harzes beschreiben und keinesfalls eine archaisch anmutende Gegenwart. Das mag stimmen, dennoch hätte es einer stärkeren Differenzierung bedurft, um genau diesen Eindruck erst gar nicht entstehen zu lassen.

Abgesehen von den angesprochenen Kritikpunkten enthält Corina C. Klengels „Die Hexenquelle“ alle Elemente, die eine Geschichte vorantreiben und es einem schwer machen, das Buch aus der Hand zu legen.

 

Roland Lange, 4. Februar 2011