15/11 2011:
Einmalige Erfolge durch den Harzer Höhenbergsteiger Christian Sander

 

Erstbesteigungen und Ersterkundungen im chinesisch- pakistanischen Grenzgebiet

 

(v) Es ist eines der entlegensten und am schwierigsten zu erreichenden Berggebiete der Welt, das nördliche Karakorum. Gelegen im Grenzgebiet von Nord- Pakistan und der chinesischen autonomen Region Sinkiang. Das Gebiet wird nördlich von der Wüste Taklamakan und  südlich von den Ausläufern des Hauptkamms des Himalaya Gebirges begrenzt.

 

Dazwischen ist die eigenständige Gebirgskette des Karakorum, das durch seine oftmals beängstigend wilde Schroffheit und die auf engstem Raum gedrängten vielen 8000er und 7000er Gipfel das Traumgebiet für jeden ambitionierten Höhenbergsteiger ist.

 

Gegenüber dem Karakorum macht der Himalaya eher ein „lieblichen“ Eindruck, berichtet Christian Sander.

 

Und in diesem Gebiet gelangen Sander mit einem weitern deutschen, einem schweizer, zwei österreichischen und einem nepalesischen Höhenbergsteiger einige Erstbesteigungen und Ersterkundungen im Gebiet nördlich des mit 8611 Meter zweithöchsten und schwierigsten Achttausenders, dem K 2.

 

Zwei Flugtage ab Frankfurt über Istanbul in die Hauptstadt Kirgisistans, nach Bishtek. Danach fünf Tage im Geländewagen über wilde Schotterpisten auf bis zu 4900 Meter hohen Pässen zur Durchquerung Kirgisistans, von der im Norden gelegenen Hauptstadt bis zur chinesischen Grenze im Süden. Danach weiter über die legendäre Seidenstraßenstadt Kashgar am Rand der Wüste Taklamakan bis zu der letzten menschlichen Siedlung des nördlichen Karakorums, Illuk.

 

Von da aus in fünf Tagen zu Fuß mit 13 Lastkamelen über den knapp 5000 m hohen Aghil Pass in das sagenumwobene Shaksgam Tal, und weiter in das Zentrum des nördlichen Karakorums zum Chinese Base Camp am K2. Von dort nochmals in zwei Tagen mit 2 Lasteseln und einen Tag mit bis zu 35 Kg schweren Rucksäcken in das vorgeschobene Base Camp (ABC) am Rande des Chogir Gletschers in 4800 Meter Höhe.

 

Dort befindet man sich schon in einem Gebiet, in das bisher nur wenige Menschen vorgedrungen sind.

Hier war auch das Basislager der  zwei Wochen vor dem Eintreffen der Gruppe um Christian Sander am K2 erfolgreichen  Höhenbergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner, die als erste Frau der Welt nun alle 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen hat.

 

Von da aus begeht man in Richtung Südosten bisher unerforschtes oder erst von ganz wenigen Abenteurern erreichtes bergsteigerisches Neuland. Einerseits ist das durch die unsichere Sicherheitslage und die schwierigen Genehmigungsverfahren in diesem auf chinesischer und pakistanischer Seite  als militärisches Sperrgebiet geltende Gegend zurück zu führen.

 

Andererseits ist das Gebiet auf einer Fläche von ca. 300 mal 300 Km absolut unbewohnt und nur mit großen logistischen Aufwand zu erreichen. Immerhin müssen alle notwendigen Dinge für sieben  Wochen Überleben in das Gebiet mit reingetragen werden, zuzüglich aller notwendigen Ausrüstungsgegenstände für das Bergsteigen. Da kommen schnell 2,5 bis 3 Tonnen Gewicht zusammen. Davon z.B. alleine 200 Kg einer Spezialgasmischung aus Propan/Butan als Brennstoff für die Wasser- und Essenszubereitung in großen Höhenlagen.

 

In dem Gebiet nord-östlich des K 2 unternahmen Christian Sander und  seine Bergkameraden zuerst einige Erkundungen auf bisher unerforschten Gletscherzustiegen, um einen Zuweg zum bisher unbestiegenen Beifeng Peak, mit 7124 Metern Höhe einer der höchsten noch unbestiegenen Gipfeln dieser Welt, zu finden.

 

Dieses gelang zwar, aber es war sofort klar, das diese Kleingruppe den weiteren notwendigen Transport der Expeditionsausrüstung in diese nochmals einige Tagesmärsche entfernte Region zur Errichtung eines vorgeschobenen Basislagers niemals in der zur Verfügung stehenden Zeit bewältigen könnte. Da hätten wir nochmals alleine mindestens 3 Wochen zusätzliche Zeit benötigt, um dort ein funktionierendes Basislager für einen erfolgreichen Besteigungsversuch über mehrere zusätzliche Hochlager starten zu können, sagte Sander.

 

So sind wir schon vor den eigentlichen Bergbesteigungen über zwei Wochen auf  8 bis 12 - stündigen Tagestouren mit 25-30 Kg Gepäck in Höhenlagen zwischen 4500 und 5500 Metern unterwegs gewesen. Das zehrt in diesen Höhenlagen schon sehr an den Kräften, und das muss auch mental alles verarbeitet werden, erzählt Sander.

Wir sind nun mal völlig autark in einem absolut unzugänglichen Berggebiet unterwegs gewesen, wo schon eine kleine Infektion oder ein Knochenbruch zu einer Katastrophe hätte führen können.  Rettung  ist dort in keiner Weise möglich, und der Ausmarsch mit einem Verletzten hätte mindestens 2 Wochen Zeit benötigt, wenn er denn überhaupt kräftemäßig zu schaffen gewesen wäre.

 

Daher muss man mit dieser Gefahrensituation aktiv umgehen können, und jede Aktion mit Überlegung und dem langjährigen Erfahrungsschatz vieler Bergexpeditionen abstimmen. Und das natürlich, ohne dabei in eine Art Entscheidungsstarre zu fallen, weil jeder Schritt und jede Kletteraktion eine gewisse Gefahr darstellt, so Sander weiter.

 

So wurde der Entschluss gefasst, sich anderen unbekannten oder bisher kaum erreichten Berggipfeln zuzuwenden. Als erstes wurde ein ca. 6300 bis 6400 Meter hoher, bisher nameloser Berg ca. zwei Tagesmärsche nordöstlich vom K 2 Basislager angegangen.

 

Über ein Hochlager auf einem 5500 Meter hohen, bisher erst einmal von einer russischen Expedition begangenen Bergpass, nahm Sander den Berggipfel mit zwei anderen Bergkameraden über den Nordostgrat in Angriff. Bei Temperaturen bis minus 25 Grad und schneidigem Wind wurde die Gipfelpyramide über eine steile Eis- und Schneeflanke erreicht.

 

Danach stieg Sander mit einem der Kameraden noch auf einen stark exponierten, und nur über eine stark überhängende lange Schneewechte zu erreichenden Nebengipfel, der wie ein großer Raubtierzahn aus dem Bergmassiv herausragt. Von da aus war ein überwältigender Rundblick auf bisher unerreichte Gletschertäler  und atemberaubender unerforschter und unbestiegener Bergmassive möglich.

 

Ich gehe momentan davon aus, das dieser Blick uns Beiden erstmalig möglich war, da sowohl die Besteigung über die gewählte Route zum Hauptgipfel, als auch die Besteigung des stark exponierten Nebengipfels Erstbesteigungen gewesen sind, sagt Sander.

 

Im weiteren Verlauf der Expedition ist Christian Sander noch im Alleingang Richtung K 2 Nordseite unterwegs gewesen, und hat später eine Soloerkundung eines weiteren Tales nordwestlich des K2 Massivs unternommen.  

 

Diese Täler muss man sich wie riesige urzeitliche Müllhalden aus Gesteinbrocken und Eis vorstellen, total zerklüftet, immer wieder mit verdeckten Gefahren wie Gletscherspalten oder Steinschlag.

 

Bei einer Tagesetappe war ich ca. 45 km allein in diesem Gelände unterwegs, nur mit der notwendigsten Ausrüstung für einen Notfall, um 2-3 Tage überleben zu können, erzählt Sander .

Allerdings nimmt man diese Gegenstände, mal ganz real betrachtet, nur für ein besseres Gefühl mit, weil ein Auffinden eines Verletzten oder Vermissten in diesen Urzeitlandschaften unmöglich ist.   

 

Zum Abschluß der Expedition haben Sander und die anderen Kameraden dann noch den erst 2003 erstbestiegenen Berggipfel des Tuofeng (ca. 6100 Meter) bestiegen.

 

Das in der Expeditionsplanung anvisierte Hauptziel, den Beifeng Peak, haben die Höhenbergsteiger  um Christian Sander  wegen logistischer  Unmöglichkeit nicht erreichen können.

Aber dafür waren eine andere Erstbesteigung, einige Ersterkundungen und eine seltene Besteigung zu verbuchen. Dazu kommt das einmalige Erlebnis des Anmarsches über die urzeitliche Landschaft des nördlichen Karakorums, das bisher auch nur sehr wenige Menschen erleben durften.

 

Das erreichen von ganz großen Höhen waren bei dieser Expedition nicht das Ziel, sondern das Vordringen in bisher unerreichte oder kaum erforschte Regionen.

 

Das war immer ein Lebenstraum von mir, so Sander. Ein Mal auf „weißen Flecken“ unserer Erde, die es nun wirklich nicht mehr so viel gibt, unterwegs zu sein, und meine Füße auf  bisher unberührten Boden setzen zu können. Das macht einen dankbar, aber noch viel mehr demütig vor der Natur.



Unterwegs mit den Lastkamelen im sagenumwobenen Shaksgam Tal


Auf dem Weg durch den Gletscherbruch zum K2 Base Camp mit Lastkamelen


Blick auf den K 2  8611 m (rechts) und dem Beifeng  Peak 7124 m (links hinten)


Im chaotisch zerklüfteten Chogir Gletscher, dem Zuweg zum Beifeng Peak


Blick aus dem Zelt zum K 2 mit der markanten Gipfelfahne


Im Aufstieg des bisher namenlosen Berges 6305 mit Tiefblick auf den K 2 Gletscher


Blick vom Tal auf den Berg 6305 mit Hauptgipfel und Nebengipfel (Nadelspitze rechts)


Blick wie vor als Nahaufnahme, Hauptgipfel Erstbesteigung über eine Route vom Nordwestgrat, Nebengipfel höchstwahrscheinlich auch Erstbesteigung 


Christian Sander mit 35 Kg Gepäck unterwegs zum nächsten Lager, das Schicksal des Höhenbergsteigers


Christian Sander als einer der ersten Bergsteiger auf dem Gipfel des erst 2003 erstbestiegenen Tuofengs (6150 m)


Christian Sander nach 6 Wochen Bergwildnis


Verhandlungen wegen der Lastenkamele mit dem Dorfältesten im letzten bewohnten Ort




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