Die Schmunzelecke

Heitere Kurzgeschichten  -  nicht immer satierefrei 


Also wirklich!

Alter ist immer eine Definitionsfrage – oder knapp daneben ist auch vorbei

 

(cb) Das ich keine zwanzig mehr bin ist mir wohlbekannt und sollte ich es einmal vergessen erinnert mich ein Blick in den Spiegel bzw. in den Personalausweis daran. Meine Haarfarbe mutiert  langsam zunehmend in Richtung Silberpudel, oder wie mein Neffe zu bemerken beliebt, das Friedhofsblond kommt mehr durch.  Ich gebe zu damit mag ich mich noch nicht so recht anfreunden und das beschert meiner Friseurin regelmäßig größere Einnahmen. Man muss ja schließlich die heimische Wirtschaft ankurbeln.

 

Das entfalten der Gesichtshaut nach einer ausgiebigen Nachtruhe klappt auch nicht mehr zu hundert Prozent. Einige von diesen hartnäckigen Oberhautplissees bleiben einfach standhaft. Sei's drum, ich habe sie mir schließlich über die Jahre hart erarbeitet.

 

Es gibt auch Tage an denen ich morgens in den Spiegel schaue und denke, mein Gott so alt wie du aussiehst kannst du niemals werden. Das hatte ich aber auch schon mit zwanzig nach zwei bis drei durchgemachten Nächten. Heute reicht dafür allerdings schon eine und die Rekonvaleszenz-Zeiten nach solchen Exzessen sind ebenfalls deutlich länger geworden.

 

Das mir die sozialen Netzwerke inzwischen Werbung von Partnervermittlungen präsentieren, die mit dem Slogan „Bitte keine jungen Frauen“ werben  lasse ich mit ja noch gefallen, wie gesagt ich bin ja keine zwanzig mehr,  aber gerade flatterte mir eine Anzeige „Menschen in ihrem Alter treffen sich auf Seniorbook“ auf den Bildschirm. Also mit Verlaub meine verehrten Social Network Betreiber, soweit ist es noch nicht! 

 

Zum Glück verfalle ich ob solcher Alterseingruppierungen nicht gleich in tiefe Depressionen, aber zartbesaitete Gemüter kann so etwas schon in eine existenzielle Krise treiben.

 

Daher an all jene, die meinen mich und meine Mitmenschen mit personalisierter Werbung beglücken zu müssen – der Schuss kann auch nach hinten losgehen. Ich fühle mich gerade so gar nicht angesprochen und wahrscheinlich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht.

 

Dazu fällt mir spontan die Bemerkung einer rüstigen 75 jährigen ein, die auf die Frage: „ Gehst du auch zur Seniorenweihnacht?“ antwortete: „Nein, was soll ich denn da, da sind doch nur alte Leute!“  Wie gesagt, Alter ist immer eine Definitionsfrage.




Schöne neue Welt



Autor: Corina Bialek

 

Manchmal wundere ich mich schon was das Hightech-Zeitalter mit seinen Errungenschaften für Blüten treibt.

 

Einige werden sich noch an die schöne alte Tradition des Feuerzeugschwenkens erinnern. Kein Konzert bei dem nicht mindestens bei einer Ballade die Feuerzeuge gezückt wurden und ein Meer flackernder Flämmchen über den Köpfen der Zuschauer tanzte.

 

Zuerst wurde uns dieser liebgewordene Brauch von den Veranstaltern, bzw. der Regelungswut der Behörden vergällt. Es könnte ja jemand aus Versehen eine ganze Konzertarena in Brand setzten. Nicht das ich mich erinnern könnte, dass sowas jemals passiert wäre. Zumindest stehen die Veranstaltungsorte, die ich aufgesucht habe alle noch.

 

Nun ist der Mensch ja erfinderisch und sucht, ob solcher Verbote nach Alternativen. Eine Zeitlang wurden Leuchtstäbe verteilt, die den selben Zweck erfüllen sollten. Inzwischen haben sich aber neue Möglichkeiten aufgetan. Jetzt schwenken tausende in den Stadien und Konzertsälen dieser Welt ihre Smartphones mit leuchtenden Displays.

 

OK, das kann man machen. Es hat auch einen netten Effekt, aber mal ehrlich - Feuerzeugflammen sind da eindeutig stimmungsvoller. Ich bin aber recht zuversichtlich, dass es dafür bald eine App geben wird oder gibt es die sogar schon?

 

Zugegeben, ich bin da nicht ganz auf dem Laufenden, denn ich muss gestehen, dass ich mich immer noch weigere am Wutschen und Wedeln teilzunehmen. Irgendwie habe ich Bedenken, dass mir das Smartphone irgendwann entschwebt, siehe Harry Potter. Ausserdem, wohin mit dem Gerät?

 

Ich gehöre nunmal zu den Frauen, die nicht in schieres Entzücken ausbrechen, wenn sie eine Handtasche sehen. Ganz im Gegeteil, ich hasse die Dinger und man sieht mich auch höchst selten mit einer solchen am Arm. Zum einen habe ich nicht das Bedürfnis den halben Hausstand mit mir zu führen - Portemonnaie, Tempos, Schlüssel und Handy reichen völlig.  Zum anderen ist das Ding immer im Weg und einfach nur lästig.

 

Mein derzeitiges profanes Mobiltelefon passt in jede Hosentasche, allerdings weiß ich nicht ob ein Smartphone-Display diese Behandlung lange aushält. Innentaschen in Damenjacken, was manches leichter machen würde, scheinen ja immer noch ein Modetabu zu sein.

 

Ich konnte bislang auch noch keinen wirklichen Nutzen für mich entdecken. Ich bin durchaus in der Lage mich in meiner näheren Umgebung ohne Navi-App zurechtzufinden. Notfalls kann ich sogar Straßenkarten lesen und wenn alle Stricke reißen habe ich immer noch einen Mund zum Fragen. Ich muss auch nicht ständig jedes Posting auf FB kommentieren und wer etwas Dringendes von mir will, soll mich gefälligst anrufen. Dafür steht schließlich das "phone" in Smartphone.

 

Ja man soll es nicht glauben, man kann mit diesen flachen, stylischen Geräten sogar telefonieren und somit verbal kommunizieren. Das heißt, man kann einfach durch Stimmmodulation seine Botschaft so rüberbringen, dass der Gesprächspartner sofort versteht wie was gemeint ist, ohne dabei hinter jedem Satz einen Smiley für den jeweiligen Gemütszustand zu setzten. Das setzt natürlich voraus, dass besagter Gesprächspartner noch die Feinheiten der verbalen Interaktion beherrscht und sie ihm durch das immerwährende Simsen und Chaten nicht abhanden gekommen sind. Sonst kommt nach jeden zweiten Satz die Frage: "Wie hast Du das gemeint?"  -  Dann doch lieber Smileys.

 

Ich werde also bis auf weiteres nur Smart fahren und man wird sehen wie lange ich mich noch vor der Nutzung eines Smartphones drücken kann. Wahrscheinlich solange wie alternativen auf dem Markt sind und mein altes seinen Geist nicht aufgibt. Es sei denn, es wird irgendein Feature eingebaut dem ich einfach nicht wiederstehen kann. So eine Haushalts-App zum Beispiel, die Haus und Hof in Schuß hält und die Wäsche macht - einschließlich in den Schrank befördern.

Da wäre ich, glaube ich, nicht mehr zu halten.




Alle Jahre wieder....



dürrlüftige Krüppelkiefern ;-)

Autor: Corina Bialek

 

Alle Jahre wieder findet in vielen Familien ein immer wiederkehrendes Ritual statt. Muttern ist im weihnachtlichen Dekofieber und Vaddern hat sich um einen adäquaten Weihnachtsbaum zu kümmern. Soweit so gut, klingt erst mal nach einer lösbaren Aufgabe, aber die hat so ihr Tücken.

 

Die Herzallerliebste hat nämlich genaue Vorstellungen wie besagter Baum auszusehen hat. Diese gibt Sie ihrem Göttergatten oder Lebensabschnittsgefährten auch mit auf den Weg. Nicht zu buschig und nicht zu groß, eher rang und schlank gewachsen, unten nicht zu ausladend, keine Nadeln die stechen und nadeln darf er schon gar nicht. Daher am Besten einen frisch geschlagenen. Er muss halt auf seinen angestammten Platz in der guten Stube passen.

 

Leider sind dies für "Mann" zu viele Informationen auf einmal. Hängen bleibt - brauchen großen Baum mit Nadeln frisch geschlagen. Das kriegt Mann hin!

Bewaffnet mit Axt oder Säge, die waren Recken haben natürlich eine Motorsäge zur Hand, geht es in die nächste Tannebaumschonung wo Mann noch selbst schlagen darf. Der uralte Jagdtrieb in ihm ist geweckt und er sucht die Reihen nach dem passenden Exemplar ab. Große Bäume mit Nadeln gibt es reichlich und er wird auch schnell fündig. Ruckzuck ist die Säge angesetzt und der Baum erlegt. Jetzt noch zur Verpackungsstelle tragen, eintüten -  fertig. Da hat man noch reichlich Zeit für ein Glühweinchen mit Bratwurst und Fachsimpeleien mit den anderen Weihnachtsbaumbeauftragten.

 

Bester Dinge geht er dann nach Hause und präsentiert seine Beute. Sie ahnen was kommt - "Was ist denn das für eine dürrlüftige Krüppelkiefer. Der ist doch viel zu groß und wenn Du ihn auf Größe gebracht hast, hat er ja kaum noch Zweige. Außerdem ist es eine Fichte. Ich habe doch gesagt keine Nadeln die pieken!" Die Stimme der Dame des Hauses schraubt sich dabei in der Regel hoch in einen unangenehm schrillen Diskant und die Litternei endet zumeist mit, "man kann Dich noch nicht mal einen Weihnachtsbaum holen lassen!"

Alle Rechtfertigungsversuche laufen ins Leere und selbst die handwerklichen Fertigkeiten des Hausherren, mit denen er den Baum mit zwischengesetzten Zweigen aufmotzt, werden von der Holden nicht gewürdigt. Der Hausseegen hängt vorerst unwiderruflich schief.

 

Meine Herren, tun Sie es sich einfach nicht an. Nehmen Sie Frau und Kinder mit zum Baumschlagen. Überlassen Sie Ihrer Liebsten die Baumauswahl auch wenn sie dafür die Schonung dreimal abgehen müssen. Sehen Sie es als sportliche Betätigung. Wenn der Baum zu Hause dann doch nicht so wirkt wie erwartet, waschen Sie zumindest ihre Hände in Unschuld. Sie werden zwar trotzdem Schuld haben, Sie hätten Ihrer Frau den Baum ja ausreden können, aber dann können Sie immer noch ein Ass aus dem Ärmel ziehen: "Schatz Du hast für solche Dinge doch ein viele besseres Auge als ich, wenn er erst mal geschmückt ist sieht er bestimmt toll aus, wer weiß was ich angeschleppt hätte!"

 

In diesem Sinne ein frohes Fest.




02913