Wassermanns Zorn von Andreas Winkelmann

Wassermanns Zorn, Thriller

Verlag Wunderlich

416 Seiten

Softcover, 14,95 Euro

ISBN 978-3805250375


Gefesselt vom Zorn des Wassermanns

Mit einer ertränkten Prostituierten, die eingekeilt zwischen Baumwurzeln im seichten Uferbereich eines Flusses gefunden wird, beginnt eine alptraumhafte Rallye für Hauptkommissar Stiffler. Eine Botschaft, eingebrannt auf dem Leib der Toten, ist an ihn gerichtet und weist darauf hin, dass der Mord ein Racheakt ist, der Beginn einer Abrechnung des Mörders mit ihm, dem Polizisten. Ein weiterer Mord bestätigt diese Annahme. Vor den Augen Stifflers und dessen Praktikantin, der jungen Polizistin Manuela Sperling, ertrinkt Stifflers Ex-Frau in einem See, in die Tiefe gezogen von einer unsichtbaren Hand. Das angespannte Verhältnis zwischen Praktikantin Sperling und Hauptkommissar Stiffler, der kurz darauf am Durchdrehen ist, macht die Jagd auf den Täter nicht gerade einfacher ...

 

Auch mit „Wassermanns Zorn“ stellt Andreas Winkelmann unter Beweis, dass er zu Deutschlands führenden Thriller-Autoren gehört. Ohne auszuschweifen, bleibt der Autor immer dicht am Geschehen, schafft es, aus dem Spannungsverhältnis zwischen Praktikantin Sperling und ihrem Vorgesetzten Stiffler die menschlichen Abgründe des Hauptkommissars herauszuarbeiten und die verhängnisvollen Verbindungen zu den Mordopfern und zum Täter darzustellen. Durch die Person des „Frischlings“ Manuela Sperling wird dabei auch ein Licht auf polizeiinterne Strukturen und die Loyalität unter den Kollegen geworfen, was dem Fall eine zusätzliche Dynamik verleiht.

 

Winkelmanns Anliegen ist es, wie schon in seinen früheren Werken, in „Wassermanns Zorn“ das Geschehen auch aus der Sicht des Täters zu schildern. Dabei werden nicht nur die Hintergründe und die Motive für die Morde klar. Der Autor gewährt einen Blick in die Psyche des Täters, ohne dessen Handeln werten zu wollen. Vielmehr trägt dieser Perspektivwechsel wohltuend zu Komplexität der Handlung bei, offenbart vielschichtige Verbindungen und Abgründe. Die Übersicht geht dabei zu keiner Zeit verloren, alles bleibt klar und verständlich – auch das Ergebnis von Winkelmanns unkompliziertem Schreibstil. „Wassermanns Zorn“ ist aus meiner Sicht ein sehr gelungener Thriller, der seine Spannung langsam steigert und bis zum Ende halten kann.

 

Beeindruckend ist vor allem Winkelmanns Beschreibung vom „Tanz“ des Täters mit seinen Opfern unter Wasser, die er bis zu deren Tod vollführt. Beeindruckend deshalb, weil der Autor es versteht, die Schönheit des Tanzes mit der Grausamkeit des Ertrinkens beinahe zu einer Einheit zu verschmelzen und damit die Gefühle des Lesers stark zu verwirren. Fans gut geschriebener Thriller, für die auch die Thematik des Ertrinkens kein unüberwindliches Hindernis darstellt, sei „Wassermanns Zorn“ wärmstens empfohlen!

 

Roland Lange, 12. November 2012