02/09 2015:
Gangster mit ostfriesischen Unzulänglichkeiten




Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenwut

von Christian Dolle

 

Für seine Fans ist der in Ostfriesland lebende Klaus-Peter Wolf Kult. Wer den Autor schon einmal bei einer Lesung erlebt hat, ahnt warum. Er sprüht vor Begeisterung für seine norddeutsche Heimat und ihre teils sehr eigenen Bewohner, was sich auch deutlich spürbar auf die Figuren seiner Krimis überträgt. Zudem lacht er fast kindlich und damit ungemein ansteckend über seine eigenen manchmal absurden Einfälle.

 

Doch nicht nur Wolf selbst ist der Grund, warum sein mittlerweile neunter Fall für Ann Kathrin Klaasen sofort bei seinem Erscheinen auf Platz 1 der Bestsellerlisten landete. „Ostfriesenwut“ beginnt mit dem Mord an einer jungen Frau, spitzt sich zu in einer Drohung, das Trinkwasser in Ostfriesland zu vergiften, und gipfelt in einer undurchsichtigen Verstrickung hoher Polizeibeamter mit Ostfrieslands Unterwelt, der Wolfs Heldin zu nahe kommt und schon bald auf die tatkräftige Hilfe ihrer Kollegen und Freunde angewiesen ist.

 

Wolfs Stammleser werden ihre helle Freude daran haben, wie seine Protagonisten es mit all jenen aufnehmen, die Gesetz und Moral den Rücken gekehrt haben, während Neueinsteiger sich erst einmal zurechtfinden müssen. Immer wieder wird deutlich, dass alle Figuren eine Vorgeschichte haben und das manches Handeln sich aus früheren Büchern erklärt. Und ebenso wie seine Figuren hat auch Wolfs Geschichte ihren besonderen Reiz.

 

Rivalisierende Gangstersyndikate, dubiose V-Männer, Börsenzockerei und Terrorgefahr, das alles wirkt  ein bisschen zu groß für das beschauliche Ostfriedland. Doch der Autor durchbricht diesen hollywoodesk anmutenden Plot immer wieder mit der Unzulänglichkeit seiner Figuren und augenzwinkernden Wendungen, was ihn damit vielleicht zum typischen Ostfrieslandkrimi macht, ganz sicher aber lesenswert und stimmig.

 

Aus Krimisicht wirkt alles wie die moderne Version eines alten amerikanischen Gangsterstreifens aus der Zeit des Film Noir und des Hardboiled-Krimis, was durch Wolfs Sidekick Rupert, der sich immer wieder fragt, wie Humphrey Bogart an seiner Stelle agieren würde, noch verstärkt wird. Ein Film aus jener Zeit als Atmosphäre noch wichtiger war als Special Effects und als die Bösen noch mehr Charakter als High Tech-Waffen hatten.

 

Wolfs Sprache hingegen ist flapsig, ungekünstelt und lebensnah, fast so als erzähle ein guter Freund die Geschichte. Besonders deutlich wird das auf dem vom Autor gelesenen Hörbuch, bei dem Wolf selbst mitzufiebern scheint, wie Ann Kathrin mit Hilfe ihrer Freunde aus jener Anstalt entkommt, in die sie zwangseingewiesen wird, als sie einige dunkle Machenschaften aufzudecken droht.

 

Ob Wolf das bei seiner Lesung bei Mordsharz verrät, wird sich zeigen, das Hörbuch verspricht auf jeden Fall einen ebenso spannenden wie unterhaltsamen Abend mit einem Autor, dem man die Lust am Schreiben beim Lesen anhört.


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