01/09 2016:
Fulminanter Auftakt



Mit „Sieben minus eins“ eröffnet Arne Dahl das Mordsharz-Festival und beginnt seine neue Serie

von Christian Dolle

 

Ein Tatort voller Blut, ein als Labyrinth angelegtes Kellerverlies und sieben vermisste Mädchen. Sam Berger hat eine vage Ahnung, wie die Fälle zusammenhängen, doch seine Kollegen kann er nicht in alles einweihen, was er weiß. Immerhin sind es nur Vermutungen und Erinnerungen, die bis in seine eigene Jugend zurückreichen. Also heftet er sich erst einmal an die Spur der mysteriösen Frau mit dem Fahrrad, die immer am Ort des Verbrechens auftaucht und genauso schnell auch wieder verschwindet. Als er sie schließlich findet und ihr auf den Zahn fühlt, könnte die Verwirrung nicht größer sein.

 

Der neue Krimi von Arne Dahl hat es in sich. „Sieben minus eins“ ist nicht nur der in Schweden schon jetzt gefeierte Auftakt einer neuen Serie, sondern hat auch alles, was den Schwedenkrimi ausmacht: Ein psychologisch wie kriminalistisch gut konstruierter Fall, ausgefeilte Charaktere mit zum Teil düsterer Vergangenheit und spannende Ermittlungen, die nicht selten Gänsehaut verursachen.

 

Detailliert beschriebene Hütten mitten im Wald, in denen die Polizei Spuren grausamer Folterungen entdeckt, sind nichts für schwache Gemüter, lassen aber das Herz vieler Krimileser höher und in diesem Fall auch schneller schlagen. Hier zeigt sich, dass Dahl sein Handwerk versteht und zu Recht einer der erfolgreichsten Autoren Skandinaviens ist.

 

Besonders gekonnt stellt er sein neues Ermittlerduo, Sam Berger und Molly Blom, als interessant gezeichnete Charaktere dar und liefert auch gleich Rückblenden in die sie prägende Jugend mit. Damit gewinnen die Figuren und der Roman an Tiefe und machen schon neugierig auf weitere Bücher dieser Serie.

 

Das wichtigste ist jedoch der Fall als solcher, der einen Krimi ausmachen sollte. Den hat Dahl fein gesponnen, nimmt sich Mobbing in der Schulzeit als Ausgangspunkt um dann zu überlegen, wohin solche Erfahrungen im schlimmsten Fall führen können. Was es damit genau auf sich hat, lässt er Berger und Blom in einer rasanten und mit vielen unerwarteten Twists gespickten Geschichte herausfinden, die den Leser von Beginn an fesselt.

 

Immer wieder passieren unerwartete Wendungen und Dahl spielt mit den Erwartungen der Leser, um sie wenig später ins Leere laufen und die Geschichte in völlig neuem Licht erscheinen zu lassen.  Gerade am Anfang fällt es dadurch schwer, das Buch aus der Hand zu legen und irgendwann ist es dann zu spät und all die Spinnfäden der elegant gewobenen Handlung lassen nicht mehr los.

 

„Sieben minus eins“ ist in jedem Fall ein Buch, das sich zu lesen lohnt, und wird zweifelsfrei einer der Höhepunkte des diesjährigen Mordsharz-Festivals sein.

 

Am Mittwoch, 14. September, ist Arne Dahl gemeinsam mit dem Schauspieler und Synchronsprecher Peter Lontzek ab 19 Uhr im Schloss Wernigerode zu Gast.

Gemeinsam werden sie einige Szenen aus dem Krimi vorlesen und für den einen oder anderen eiskalten Schauder und einen gelungenen Auftakt des Festivals sorgen, doch im Buch könnte die Geschichte ein paar Seiten weiter schon wieder ganz anders aussehen.