13/10 2016:
Der Sturm zieht nur langsam auf


Eric Berg: Die Schattenbucht

 von Christian Dolle

 

Es gibt viele Krimis, bei denen bleibt nach der letzten Seite ein fader Nachgeschmack, weil das Ende entweder zu vorhersehbar oder zu konstruiert war. Bei Eric Bergs „Die Schattenbucht“ stellt sich dieses Gefühl ganz und gar nicht ein, weil die anfänglich noch humorvoll erzählte Geschichte um eine chaotische Entführung immer vielschichtiger und spannender wird und schließlich in einem Nachdenken über Moral und Schuld nachhallt.

 

Ihn fasziniere, was ganz normale Menschen dazu bringt, ein Verbrechen zu begehen, verriet Eric Berg in einem Interview. In seinem dritten Krimi „Die Schattenbucht“ führt er genau das exemplarisch vor und schafft damit ein Buch, das mit wunderbar lebensechten und doch pointiert gezeichneten Charakteren beginnt und schließlich schonungslos ihre Abgründe aufzeigt. Sie planen die Entführung eines skrupellosen Vermögensberaters, der sie alle um ihr Erspartes und damit um ihre Träume und Hoffnungen gebracht hat. Allerdings ahnen sie nicht, wie weit sie dabei gehen werden und welche Ausmaße ihre Verzweiflungstat erreicht.

 

Mehr als ein Jahr später stößt die Psychologin Ina Bartholdy auf einige Bruchstücke dieser Geschichte und je mehr von ihnen sie zusammensetzt, desto mehr gerät sie selbst in Gefahr. Nach und nach wird ihr klar, dass dunkle Geheimnisse nicht verschwinden, wenn man sie verschweigt, sondern manchmal umso größer und unbeherrschbarer werden.

 

Psychologisch ausgefeilt und raffiniert erzählt Eric Berg seinen Fall, der ebenso wie seine Figuren mitten im Alltag angesiedelt ist, noch dazu auf dem malerischen Darß, so dass der aufkommende Sturm umso unerwarteter losbricht. Gerade dieser Wechsel von der anfangs augenzwinkernd beschriebenen Entführung, bei der fast alles schief geht hin zu den Auswirkungen, die die viel größeren Schieflagen im Leben der Protagonisten offenbaren, macht den Reiz des Buches aus.

 

Dieser Krimi ist weder brutal, noch ist er aufgesetzt humorvoll oder allzu offensichtlich gesellschaftskritisch. Zwischen all den bekannten Facetten des Genres nimmt er eine Sonderstellung ein, vermengt die Zutaten neu und bekommt dadurch eine sehr eigene Note. Hinzu kommt Bergs leicht lesbare Sprache, die von Beginn an kurzweilig ist und damit einmal mehr die Normalität unterstreicht.

 

Allerdings ist vielleicht auch gerade das eine der Schwächen, dass nämlich seine Ina Bartholdy allzu blauäugig in die Schatten der Vergangenheit hineinschlittert und ihrer Rolle als Psychologin selten gerecht wird. Ein wenig mehr Fachjargon hätte an manchen Stellen nicht geschadet, um ihrem Charakter mehr Ausdruck zu verleihen. So ist sie keine Figur, die lange im Gedächtnis bleibt, doch wie Eric Berg auch selbst sagt, hat er kein Interesse an wiederkehrenden Ermittlern, seine Protagonisten haben nach einem Roman ausgesorgt und er wendet sich neuen zu.

 

Somit darf man auf seinen nächsten Krimi sehr gespannt sein, denn nach dem Bestseller „Das Nebelhaus“ und „Das Küstengrab“ zeigt auch „Die Schattenbucht“, dass er eine Bereicherung für die deutsche Krimiszene ist. 





13/10 2016:
Der Sturm zieht nur langsam auf

Eric Berg: Die Schattenbucht

 

(cd) Es gibt viele Krimis, bei denen bleibt nach der letzten Seite ein fader Nachgeschmack, weil das Ende entweder zu vorhersehbar oder zu konstruiert war. Bei Eric Bergs „Die Schattenbucht“ stellt sich dieses Gefühl ganz und gar nicht ein, weil die anfänglich noch humorvoll erzählte Geschichte um eine chaotische Entführung immer vielschichtiger und spannender wird und schließlich in einem Nachdenken über Moral und Schuld nachhallt. Weiter...