Am Anfang war der Tod von Stefanie Baumm

 

Am Anfang war der Tod, Krimi

Verlag Droemer/Knaur, November 2009

302 Seiten, Hardcover mit SU

ISBN 978-3-426-19780-6

19,95 €


 

Nichts bleibt für immer verborgen.

 

Im kleinen, idyllischen Dorf Moorbek in Schleswig-Holstein ist ein Mord geschehen.

Pastor Eckhard Falkner wurde der Schädel eingeschlagen. Auf dem kalten Steinfußboden seiner Kirche liegend, blickt er in den wenigen verbleibenden Minuten seines Lebens seinem „verlorenen“ Sohn in die Augen.

Leif Falkner, auf Bitten seines Vaters nach 25 Jahren erstmals wieder in sein altes Heimatdorf zurückgekehrt, findet den Sterbenden und benachrichtigt nicht die örtliche Polizei, sondern die Kieler Kriminalpolizei, die in Person von Kommissar Armin Stahl und seinem Kollegen Birger Harms am Tatort erscheint.

Der Überraschung, ihren ehemaligen Kollegen, den BKA-Beamten Leif Falkner, am Tatort vorzufinden, folgen Ermittlungen, bei denen sich die Beamten an einer Mauer des Schweigens festbeißen.

Alle in dem kleinen Ort scheinen ihre wohlgehüteten Geheimnisse zu haben, die auf verhängnisvolle Weise mit dem Mord an Pastor Falkner verknüpft sind. Ob verloren gegangene Spendengelder oder die unheilvolle Rückkehr des Pastorensohnes, alles deutet auf schwierige Ermittlungen hin und stärkt die Ahnung der Kriminalbeamten, dass vor vielen Jahren etwas geschehen sein muss, das das Dorf für immer verändert hat.

Stefanie Baumms Kriminalroman schafft eine beinahe intime Atmosphäre, die den Leser von der ersten Zeile an mit hineinnimmt in das Geschehen, die ihn Teil des kleinen Dorfes Moorbek werden lässt. Man erfährt das Schweigen und die Ablehnung der Dorfbevölkerung am eigenen Leib und man ahnt sehr schnell, dass der Mord am Pastor keine Tat zweier Aussiedlerjungen sein kann, so nahe der Verdacht auch liegt und so schwer die Indizien auch wiegen.

Es steckt mehr hinter dieser Tat. Die Autorin versteht es, Ahnungen im Leser zu wecken. Sie lässt ihn etwas spüren von den Verwicklungen, die lange zurückliegen und die letztendlich zu der grausamen Tat führen mussten.

Nur zu verständlich wird das Schweigen der Dorfbewohner, je tiefer man in die Geschichte einsteigt. Man spürt, dass die Dörfler zwar eine verschwiegene, aber darum noch lange keine verschworene Gemeinschaft bilden. Zu sehr spielen unterschiedliche Interessen der Einzelnen eine Rolle und doch ist alles irgendwie miteinander verwoben.

Der Autorin gelingt es nicht nur, Spannung zu erzeugen, sie schafft es darüber hinaus, die Gefühle des Lesers durcheinander zu bringen. Eine klare Trennung von Gut und Böse gibt es in ihrem Roman nicht. Sie wirft Fragen auf, überlässt es aber dem Leser, für sich selbst die Antwort zu finden und moralisch Stellung zu nehmen. Es ist nämlich nichts so eindeutig und klar, wie es im ersten Moment scheint.

Stefanie Baumm zeichnet das Bild von Menschen, die Gut und Böse kennen und doch im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen zerrissen werden, eben weil sie „nur“ Menschen sind.

Ganz besonders deutlich wird diese Zerrissenheit in dem Augenblick, als der einzige wirklich „Böse“, dessen Tat ausschließlich auf niederen Motiven beruht, einer unerwarteten Urteilsvollstreckung entgegensieht – oder hätte man nicht genau dieses Ende erwarten müssen?

Vielleicht ist die Zusammenballung so vieler Ereignisse auf eine so kleine Dorfgemeinschaft etwas zu dick aufgetragen, zumal letztlich alles nur einen einzigen Ursprung zu haben scheint. Aber es tut der Spannung keinen Abbruch, und man fiebert als Leser jeder neuen Enthüllung entgegen. Ein bisschen Beziehungsdrama darf natürlich auch nicht fehlen, steht der Story jedoch nicht im Wege. Ganz im Gegenteil, dieses bittersüße Techtelmechtel belebt die Geschichte ungemein und tut auch dem Fortgang der Ermittlungen gut.

 

Mit „Am Anfang war der Tod“ präsentiert Stefanie Baumm einen Kriminalroman, der Emotionen weckt und die eigene Position herausfordert. Nicht immer einfach, aber gerade deshalb – eine eindeutige Leseempfehlung!

 

Roland Lange, 01.12.09