Der Prinzessinnenmörder von Andreas Föhr

 

Der Prinzessinnenmörder, Krimi

Knaur Verlag, September 2009

384 Seiten, Broschur

ISBN 978-3-426-66397-4

12,95 €


 

Wallners erster Fall

 

Mörderisch geht’s her in Oberbayern. Polizeiobermeister Kreuthner entdeckt an einem eisigen Januarmorgen auf dem Nachhauseweg von einer Zechtour eine Leiche unter dem Eis des zugefrorenen Spizingsees. Ein junges Mädchen, bekleidet mit einem goldenen Brokatkleid, getötet durch einen Stich ins Herz. Im Mund des Mädchens findet man eine Plakette mit einer eingravierten Eins. Kommissar Wallner, der die Kälte scheut, wie der Teufel das bayrische Weihwasser, muss in diesem Fall ermitteln. Zumindest die Identität des 15-jährigen Mädchens ist schnell geklärt. Die nämlich hat der Mörder der Polizei auf einem kleinen, überdachten Holzkreuz am Rand des Spitzingsees mitgeteilt: Pia Eltwanger. Auch die Plakette mit der eingravierten Nummer stellt, da ist sich Wallner sicher, einen Hinweis dar. Aber worauf will der Mörder damit hinaus?

Ein zweites Mädchen wird tot auf dem Dach des Hauses gefunden, in dem Kommissar Wallner mit seinem Großvater Manfred wohnt. Da auch dieses Mädchen ein Brokatkleid trägt und eine Plakette im Mund hat, dieses Mal mit der Nummer 72, ist Wallner klar: Er hat es hier mit einem Serienmörder zu tun, der darüber hinaus ein Spiel mit ihm spielt – ein mörderisches Katz- und Mausspiel. Wallner ist bewusst, dass ihm keine Zeit bleibt, denn der Mörder wird wieder zuschlagen. Nur wann und wo, das ist das Geheimnis, das die Plaketten in sich bergen. Wallner muss dieses Geheimnis lüften, und zwar schnell, will er dem Mörder zuvor kommen.

Zusammen mit seinem Kollegen Kreuthner heftet er sich an die Fersen des Mörders und kommt ihm Stück für Stück näher. Aber die Zeit wird knapp …

 

Mit „Der Prinzessinnenmörder“ ist Andreas Föhr ein hervorragend geschriebener Debütroman gelungen. In überwiegend knappen Sätzen lässt Föhr den Leser teilhaben an den Ermittlungen und bindet ihn nach und nach in das Geschehen ein. Der Autor baut eine Spannung auf, die sich bis zum Ende in dem Maße steigert, wie die Handlung rasant an Fahrt aufnimmt.

An der Art und Weise, wie Föhr seinen Kommissar Wallner Aufklärungsarbeit leisten lässt, wie er Puzzlestück für Puzzlestück zusammenfügt und das Bild des Mörders sich immer deutlicher vor seinen Augen abzeichnet, merkt man, dass der Autor in erster Linie Fernsehdrehbücher schreibt, etwa für „Ein Fall für Zwei“, „Der Bulle von Tölz“ oder „Soko 5113“. Die klare Linie geht nirgends verloren, das Ziel, die Aufklärung der Verbrechen, bleibt stets im Vordergrund.Föhr verliert sich in seinem Roman nicht ausschweifend in unwichtigen Details, die den Erzählfluss ausbremsen. Wenn er auf Nebenschauplätze ausweicht, so fügen sich diese Beschreibungen und Handlungen nahtlos in die Geschichte ein. Sie wirken nicht konstruiert mit dem einzigen Hintergedanken, dem Buch eine gewisse Masse zu verleihen.

So bereitet es höchstes Vergnügen, etwas über die Männer-WG zu erfahren, in der Wallner und sein Großvater Manfred ihr gemeinsames Zusammen- und Liebesleben bestreiten, amouröse Details eingeschlossen. Ein weiterer Handlungsstrang lässt uns teilhaben am Leben eines Vaters, dessen Tochter bei einer Skitour verunglückt. Erst spät nähert sich diese beinahe beiläufig erzählte und trotzdem hochdramatische Parallelhandlung dem eigentlichen Geschehen an und verschmilzt damit in einem furiosen Finale.

Für Freunde der bayrischen Mundart hält „Der Prinzessinnenmörder“ ein kleines Schmankerl bereit, denn der Autor „verhochdeutscht“ die Dialoge nicht, er flacht sie höchstens etwas ab. So erhält das Buch sein regionales Ambiente, was es den Lesern (den Preußen unter den Krimifans eingeschlossen) leicht macht, sich mit den handelnden Personen des Buches zu identifizieren.

Es bleibt zu hoffen, dass Andreas Föhr es nicht bei diesem einen Roman belässt und seinen Kommissar Wallner noch in einigen weiteren Fällen ins Rennen schickt. Dem Freund gut geschriebener Krimis wäre es zu wünschen.

 

Roland Lange, 4.1.2010